Momentum – in Bewegung kommen. Und bleiben.
Januar. Ich liebe diesen Monat: Das Jahr ist noch frisch, alles scheint möglich. Für viele Unternehmen und Führungsteams heißt das: neue Ziele, neue Prioritäten, ambitionierte Pläne. Und oft auch: ein vertrautes Gefühl von Schwere. Denn zwischen dem guten Vorsatz und der tatsächlichen Bewegung liegt eine Lücke, in der Absicht und Energie versanden können.
Was hilft, um ins Tun zu kommen, nicht nur zu planen, sondern tatsächlich Momentum zu erzeugen?
Was Momentum bedeutet
Momentum ist mehr als Antrieb oder Motivation. Es ist gemeinsame, gerichtete Bewegung. Es entsteht dort, wo mehrere Kräfte in dieselbe Richtung wirken – und eine Dynamik erzeugen, die größer ist als die Summe der Einzelimpulse.
In Unternehmen erleben wir oft das Gegenteil: Initiativen laufen nebeneinander, Energie verpufft, wichtige Themen stecken in Abstimmungsschleifen fest. In solchen Momenten zeigt sich: Veränderung braucht mehr als kluge Konzepte oder Strategiepapiere. Es braucht gemeinsame Energie, eine erlebte Ausrichtung im Kollektiv.
Das lässt sich nicht „top down“ anordnen – aber man kann es gezielt ermöglichen.
Großgruppenformate – unterschätzte Katalysatoren für Momentum
Wer schon einmal Teil einer guten Großgruppenveranstaltung war, weiß: Das ist mehr als ein Meeting oder Workshop. Wenn 50, 100 oder 300 Menschen gemeinsam eine Fragestellung bewegen, entsteht etwas, das kleine Gruppen nicht leisten können: ein kollektiver Resonanzraum. Hier wird sichtbar, was im Unternehmen lebt – Gedanken, Hoffnungen, Skepsis, Ideen. Und: Hier kann Energie freigesetzt werden, die in den alltäglichen Routinen verborgen bleibt.
Großgruppen sind aber keine „Showformate“. Richtig gestaltet, erzeugen sie starkes Momentum und sind Werkstätten der Zukunftsfähigkeit:
Sie schaffen Orientierung und Sinn aus multiplen Perspektiven.
Sie aktivieren Verantwortung: People own what they help create.
Sie erhöhen die Geschwindigkeit, weil Beteiligung Klarheit und Commitment schafft.
Und sie erzeugen – ganz handfest – das Gefühl: Wir haben angefangen. Wir sind unterwegs.
Ich erlebe immer wieder: Ein Tag in einer gut vorbereiteten Großgruppe kann mehr Bewegung in ein Unternehmen bringen als Monate an Kommunikation und Einzelworkshops.
Was es braucht, damit Momentum entsteht
Momentum folgt bestimmten „Gesetzen“. Drei davon sind besonders relevant für den Jahresanfang – oder jeden Neustart:
Fokus und Aufmerksamkeit
Worauf richtet sich der Fokus – auf Probleme oder auf Möglichkeiten?
Momentum entsteht dort, wo die Beteiligten gerichtet Fokus haben und einen gemeinsamen Sinn erkennen. Ein kraftvoller Start in Veränderungsprozesse beginnt also nicht mit der Lösung, sondern mit Sinnklärung: Wozu tun wir das? Was soll hier besser werden? – erst dann folgt das Wie.Beteiligung von vielen
Beteiligung ist keine Zierde. Sie ist die Bedingung dafür, dass Menschen sich bewegen.
Wer eingeladen ist, die Zukunft mitzugestalten, empfindet Veränderung nicht als „etwas, das mit uns passiert“ – sondern als „etwas, das wir gemeinsam erzeugen“. So wird aus Betroffenheit Beteiligung, aus Beteiligung Engagement, und aus Engagement Momentum.Der Prozess ist die Zukunft
Ich bin überzeugt: Der Prozess, den wir nutzen, um an der Zukunft zu arbeiten, ist die Zukunft, die wir bekommen. Wenn der Start eines Jahres in einem Großgruppenformat von Energie, Dialog und gemeinsamer Verantwortung geprägt ist, setzt das die Weichen für das Jahr.
Warum Großgruppen besonders am Jahresanfang wirken
Der Jahresstart ist traditionell der Moment, in dem Unternehmen Bilanz ziehen und neue Ziele formulieren. Doch oft bleiben Strategiepräsentationen und Kick-offs im Modus der Ansage. Das ist verschenktes Potential.
Statt einseitiger Kommunikation bietet sich hier die Bühne für Zusammenkommen und Ko-Kreation in großer Runde besonders an:
Mitarbeitende, Teams, Führungskräfte reflektieren gemeinsam: Wo stehen wir wirklich? Was hat uns getragen? Was behindert uns?
Sie entwickeln Verständnis füreinander – über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg.
Und sie definieren gemeinsam die gewünschte Zukunft und erste, konkrete Schritte.
Dadurch entsteht mit einem Schlag mehr Klarheit und Verbindung. Das Unternehmen spürt, dass es „in Bewegung“ ist – nicht, weil jemand die Richtung vorgibt, sondern weil es selbst den ersten Schritt gemacht hat.
Momentum entsteht also nicht durch Ansage, sondern durch Erleben.
Das gemeinsame Erleben von Richtung, Energie und Verantwortung verändert die Wahrnehmung: Menschen fühlen sich verbunden, gesehen, beteiligt – und ziehen eher an einem Strang.
Deshalb sind Formate, in denen Menschen sich sehen, hören und gemeinsam Sinn erzeugen, so zentral. Sie schaffen Bewusstsein, Verbindung und Energie. Großgruppen sind also vor allem eines: Ermöglichungsräume für Veränderung.
Wie gelingt das konkret?
Ein gelungener Großgruppenprozess folgt einfachen, aber klaren Prinzipien:
Sorgfältige Vorbereitung – Zielklarheit: Worum geht es wirklich? Was soll danach anders sein?
Eine im Detail geplante Dramaturgie – Eröffnen (Orientierung), Vertiefen (Arbeit am Thema), Ernten (Ergebnisse sichtbar machen) und Handlungsorientierung (wie geht es konkret weiter) – hier braucht es besondere, großgruppenkompatible Methoden, damit es nicht langatmig und kleinteilig wird.
Kluge Fragen, die Dialog erzeugen – „Was braucht unser Miteinander, damit dieses Jahr gut wird?“ ist wirkungsvoller als „Wie erreichen wir Ziel X?“
Sichtbare Beteiligung des Managements – nicht als Vortrag, sondern im Dialog.
Räume für Resonanz und Entscheidung – damit aus Impulsen Handlungsoptionen werden.
Momentum ist kein Zufall und ist das, was Veränderungen brauchen! Es beginnt dort, wo Menschen Sinn teilen, Verantwortung übernehmen – und gemeinsame Richtung erleben. Wer diese Energie gestaltet, gestaltet Zukunft. Großgruppen sind eines der kraftvollsten und zugleich am meisten unterschätzten Werkzeuge dafür.
Gerade jetzt – am Anfang eines neuen Jahres – ist ein hervorragender Moment, diese Energie zu nutzen um kraftvoll und gerichtet ins Jahr zu starten.