Time to think – Zehn einfache Regeln für eigenständiges Denken und gelungene Kommunikation (Buchrezension)

Time to think – Zehn einfache Regeln für eigenständiges Denken und gelungene Kommunikation (Buchrezension)

Was brauchen wir im Miteinander, damit Denken zu neuen und kreativen Ergebnissen führt? Welche Art der Führung und Kommunikation unterstützt kreative Denkprozesse? Und welche Meetingpraxis schafft Ergebnisse statt Langeweile?

Nancy Klines „Time to think“, bereits 1999 in den USA veröffentlicht aber erst im Juni diesen Jahres auf Deutsch erschienen, schafft mit seiner „Denk-Umgebungs- Klammer“ einen wunderbaren Rahmen für Haltungen und Praktiken, die alles andere als neu sind – aber selten so gut auf den Punkt gebracht wurden. Die ‚Zehn einfache Regeln für eigenständiges Denken und gelungene Kommunikation‘, so der Untertitel und gleichzeitig Inhalt des Buches, stelle ich hier vor:

Direkt mit der 1. Regel wird klar, dass Nancy Kline auf alte Fundamente baut: Aufmerksamkeit – Zuhören mit Respekt, Interesse und Faszination. Ein zunächst kleiner Widerstand über diese scheinbar banale erste Regel ist beim Weiterlesen schnell zerstreut – denn mit großer Leidenschaft und Überzeugung beschreibt Nancy Kline welchen Unterschied wir machen können, welche Wirksamkeit ungeteilte, nicht bewertende Aufmerksamkeit hat. Und ja, bitte mehr davon geben und teilen!….Wir wissen es alle, nur leben tun wir es zu wenig.

Incisive Questions
ist die zweite Regel bzw. Komponente – hier beschreibt Kline die Kraft von „Mal angenommen..“-Fragen um Annahmen, mit denen wir uns oder andere im Denken einschränken, zu entkräften. Systemisch geschulte Menschen nicken an dieser Stelle, andere sicher auch.

Gleichheit – Gleichbehandlung aller in Bezug auf das Denken.
Auch Nancy Kline hat in ihrer langjährigen Beratungserfahrung immer wieder die einschränkende Wirkung von Hierarchien für Denkräume und Lösungen beobachtet. Zum Augenhöhe-Zeitgeist passend empfiehlt sie Gleichheit im Miteinander, z.B. Meetings u.a. durch gleichmäßige Redeanteile- und Rederechte sicherzustellen.

Und dann kommt Wertschätzung als Regel Nummer 4 – Es braucht ein fünf zu eins Verhältnis von Anerkennung zu Kritik, so ihre Empfehlung – denn: Wertschätzung erhält das Denken aufrecht, weckt das Denkpotential, fördert Innovation und Kreativität, gerade auch in angespannten Zeiten. Auch nicht neu, oder? Und dennoch: wie explizit leben wir dies in unserer Führungs- und Arbeitspraxis? Ich nehme es gern als wertvollen Reminder.

Mit Gelassenheit empfängt und entwickelt man ungewöhnliche und aufregende Gedanken. […] Eine lockere, zurückgelehnte, ausatmende, lächelnde, gespannt aufmerksame, vertrauensvolle, ungehetzte Form der Anwesenheit sprengt hellleuchtende Ideen aus ansonsten undurchdringlichen Grüften voll Verwirrung und Zweifel.“
Diesem Zitat aus dem Buch ist nichts mehr hinzuzufügen. Gelassenheit als Regel 5 und aus meiner Sicht eine „Meta-Regel“ bei Nancy Kline.

Es folgen Ermutigung statt Rivalität, das Zulassen von Gefühlen als Regel 6 und 7 – denn klares Denken setzt aus, wenn starke Emotionen uns bewegen. Klines Empfehlung: Keine Angst vor Emotionen! Zulassen und zum Ausdruck bringen statt zusammenreißen, damit im Anschluss Denken wieder Raum greifen kann.

Informationen bereitstellen, für ein vollständiges und genaues Bild der Realität – mit dieser Komponente 8, ich gestehe, kann ich am wenigsten anfangen, da die praktischen Implikationen hier aus meiner Sicht vage und allgemein bleiben. Bewusstes Umgehen mit dem eigenen Informationsverhalten ist ein Beispiel dafür.

Der Ort – Eine gute Denkumgebung ist auch ein guter Ort – ein Ort, der, so Nancy Kline, signalisiert „Auf dich kommt es an –  Du bist wichtig!“. Das als Leitlinie bei der Gestaltung von Büros, Meetingräumen, Arbeitsräumen zu nehmen ist Klines dringliche Empfehlung.

Und: Diversität als zehnte Komponente eines ‚Thinking Environments‘. Spätestens seit der Schweinbucht Invasion 1969 in Kuba wissen wir: Homogene Gruppen produzieren einseitige Entscheidungen und wenig (gute) Ideen. Heterogene Gruppen brauchen unter Umständen länger, aber der Output und Ideenreichtum ist höher. Dies beschreibt auch Nancy Kline und spannt einen weiten Bogen über Identität, Diskriminierung, Sexismus und Vorurteile, die sie mit eindrücklichen Beispielen aus ihrer Beratungspraxis unterlegt. Ihr Fazit: Vielfalt ist die Realität unserer Welt und fördert eine vitale Denkumgebung!

Neugierig geworden auf das Buch? Ich kann es sehr empfehlen: Nancy Kline: Time To Think, Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Susanne Moosdorf

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